Wie alles Anfing... die Jahre 1904 - 1929

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1904 Wenn von der Gründung eines Turnvereins die Rede ist, so muss man zu den Wurzeln der Turnbewegung zurückgehen. „Frisch – Fromm – Fröhlich – Frei“ so lautet der Wahlspruch der deutschen Turner und diese „vier F“ bilden ihr Symbol, das „Turnerkreuz“. Ins Leben gerufen wurde diese Bewegung von „Turnvater“ Jahn im Jahre 1711 auf der Hasenheide in Berlin. Turnen, abgeleitet vom Wort „Turnier“ bedeutete für Friedrich Ludwig Jahn Übung und Schulung der Körperkräfte durch natürliche und ersonnene Bewegungen. In den darauf folgenden Jahren entstanden in Deutschland die ersten Turnvereine. So, auch wenn viele Jahre später in Eberstadt.

In der Chronik des Jahres 1904, dem Gründungsjahr unseres Vereins ist folgendes nachzulesen:
21 Turnwillige trafen sich am 22. August des Jahres 1904 im Gasthaus zum Hirsch um den damals „Turnverein Eberstadt“ genannten Verein aus der Taufe zu heben.

Friedrich Gerlach, Friedrich Kienle, Karl Hermann, Karl Fischer, Heinrich Hermann, Wilhelm Wurst, Karl Gassert, Friedrich Gassert, Wilhelm Greiner, Wilhelm Rank, Karl Seiler, Friedrich Baumgärtner, Wilhelm Frank, Karl Rank, Wilhelm Reichert, Friedrich Wägele, Heinrich Dochtermann, Gottlob Hermann, Ernst Baumgärtner,
Zum ersten Vorstand des neu gegründeten Vereins wurde Friedrich Gerlach gewählt.

Noch im Gründungsjahr wurde eine Weihnachtsfeier veranstaltet und diese Tradition lebt bis heute in der alljährlichen Jahresfeier des VfL fort. Auch eine Vereinssatzung wurde noch im selben Jahr erarbeitet und am 30. September von der 1. Hauptversammlung genehmigt.
 
1905 Es ist nicht überliefert weshalb bereits im Jahr 1905, also 1 Jahr nach der Gründung Wilhelm Rappold zum ersten Ehrenmitglied des Turnvereins Eberstadt ernannt wurde.  
1906 Bei der Hauptversammlung wird bekannt gegeben, dass der Verein zum Jahresende bereits 66 Mitglieder zählt.  
1907 Der Vereinsbeitrag wurde für passive Mitglieder auf 1,30 Mark, für aktive auf 0,30 Mark festgelegt. Im Vergleich dazu betrug der Preis für ein
23 Liter-Fass Bier 4,60 DM. In diesem Jahr nahm auch zum ersten Mal eine Eberstädter Turnriege am Gauturnfest in Vaihingen Enz teil.
 
1909 Auf dem Turn- und Festplatz „Linde“ wurde am 16. Mai das 5-jährige Stiftungsfest gefeiert. Ob man damals zu späterer Stunde den Schlager des Jahres „Der kleine Finkenhahn“ von Robert Steidl gesungen hat wird nicht berichtet.  
1911

 

Unter dem damaligen Vorstand Karl Seng wurde bei der Generalversammlung eine Sängerabteilung gegründet.
Zum hundertjährigen Jubiläum der Turnbewegung, das durch landesweite Schauveranstaltungen gefeiert wurde bei denen man der Bevölkerung die Körperertüchtigung nahe bringen wollte, gewährte die Gemeinde Eberstadt dem Turnverein das Recht, den Turnplatz zu jeder Tageszeit zu nutzen, außer während des Gottesdienstes am Sonntag morgen. Wie ernst man das Turnen in unserem Ort nahm zeigt die Tatsache, dass für das Nichtbesuchen der Turnstunden 10 Pfennig Strafe erhoben wurden.
 
1913

 

In diesem Jahr wurde der in der Satzung von 1904 festgelegte Vereinszweck neu definiert:

Der Zweck des unter dem Namen Turnverein zu bestehenden Vereins ist, Gelegenheit und Anleitung zu geregelten Turnübungen zu geben als eines Mittels zur körperlichen und sittlichen Kräftigung, sowie die Pflege des deutschen Volksbewusstseins und vaterländischer Gesinnung.

Wegen des 1. Weltkrieges trat der Sport während der nächsten 4 ½ Jahre weltweit in den Hintergrund. Die für 1916 geplanten Olympischen Spiele in Berlin wurden im Jahr davor endgültig abgesagt und auch in Eberstadt kam das Sportgeschehen zum Erliegen.
 
1919

 

Während es im damaligen Deutschen Reich noch überall Unruhen gab, trafen sich in Eberstadt bereits am 9. März dieses Jahres 34 Turnvereins-mitglieder um das Turnen wieder ins Leben zu rufen.
Zum 1. Vorstand nach dem Krieg wurde wie schon bei der Vereinsgründung 1904 Friedrich Gerlach gewählt.
Damals fanden auch gleich Gespräche mit der Gemeinde über einen neuen Sportplatz statt.
 
1921

 

Aus einem Ereignisbericht des Jahres geht hervor, dass im März „emanzipierte Frauen“ mit einer Frauen Olympiade in Monte Carlo gegen das IOC demonstrieren. In Eberstadt fand ein großes Turnfest statt.
Im selben Jahr war Eberstadt auch Ziel des Gauwandertages. Über die zwei Festtage herrschte herrliches Wetter und den großen Festzug begleiteten zwei Musikkapellen.
Ein Ereignis am Rande sei noch erwähnt: Der damalige Vereinsdiener wollte im Sommer sein Amt niederlegen. Sein Antrag wurde aber mit der Begründung zurückgewiesen, dass mitten im Jahr kein Amt niedergelegt werden kann.
Angeschafft wurde auch eine Hantel, die mit 80 Eiern bezahlt wurde.
 
1923 Wegen der Geldentwertung - 1 Pfund Fleisch kostete zu der Zeit 3,2 Billionen - musste der Monatsbeitrag in Naturalien abgegolten werden und zwar in Form von einem halben Liter Milch.

Der „Vereinsdiener“ wird aus dem Verein ausgeschlossen, da er mit dem Einzug der Beiträge im Verzug war.

Die damalige Situation verdeutlicht auch das folgende Bild aus dem Inflationsjahr 1923.
 
1924 Es war das Jahr der 8. Olympischen Sommerspiele in Paris. Star dieser Olympiade war der finnische Läufer Paovo Nurmi mit 4 Goldmedaillen. Deutschland war von diesen Spielen noch ausgeschlossen. Im TV Eberstadt aber gab es ein reges Vereinsleben.
So wurden mit der Gemeinde erste Gespräche über einen Turnhallenbau geführt und unter dem Vorstand Otto Köpf wurde ein Vereinsausflug mit dem Pferdefuhrwerk in den Mainhardter Wald veranstaltet.
 
1925

 

In einer Zeitung aus diesem Jahr war folgender Artikel zu lesen:
Damenmode schockiert
"Die von der Damenwelt seit einiger Zeit bevorzugte Freizügigkeit erfährt in diesem Frühjahr einen weiteren Höhepunkt. Nach Bubikopf und Hängekleid provozieren jetzt ein strenger Herrenschnitt und männliche Modeaccessoires. Die Frau trägt Melone, Hemdkragen und Krawatten, einige ganz Mutige wagen sich sogar in den Hosenanzug. Die Männer sind schockiert".

Vielleicht hat diese Emanzipationsbewegung auch seinen Teil dazu beigetragen, dass im Oktober im TV die erste Damenturnriege gegründet wurde. Vom damaligen Vorstand Otto Köpf wurde an die Gemeinde ein Gesuch zum Bau einer Turnhalle eingereicht.
 
1925

 

Es war das Jahr der großen Theateraufführungen. Im Steinbruch an der Straße nach Neuenstadt wurde im Sommer dreimal das Stück „Wilhelm Tell“ gespielt.  
1929 Der Turnverein Eberstadt konnte am
8. September sein 25-jähriges Jubiläum mit einem umfangreichen Programm feiern.
 
 

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